Vor ein paar Tagen hat mir eine Fachkraft geschrieben:
„Ich hab‘ deine Nummer weitergegeben. Hat sich die Mama schon gemeldet?“
Meine Antwort war kurz.
„Nein.“
Und danach kam mir der Gedanke, dass diese Antwort vielleicht überraschend ist. Denn viele gehen davon aus, dass sich eine Mama sofort meldet, wenn sie Unterstützung braucht. Aber so erlebe ich es ganz selten.
Hilfe als Mama annehmen erfordert oft Mut
Ich glaube, Hilfe anzunehmen ist für viele Mütter einer der schwersten Schritte überhaupt. Nicht, weil sie keine Unterstützung möchten, sondern weil sie so lange versucht haben, alles allein zu schaffen. Weil sie hoffen, dass es morgen wieder besser wird. Weil sie niemandem zur Last fallen möchten. Oder weil sie sich fragen, ob es anderen nicht genauso geht und sie sich einfach nur mehr zusammenreißen müssten.
Deshalb freue ich mich zwar über jeden Anruf, aber ich messe den Erfolg einer Empfehlung nicht daran, wie schnell mein Telefon klingelt.
Manchmal ist das Wertvollste, was eine Fachkraft einer Mama mitgeben kann, keine Lösung – sondern das Wissen, dass es eine gibt.
Dass da jemand ist. Jemand, den sie anrufen kann.
Nicht unbedingt heute. Vielleicht auch nicht nächste Woche. Sondern genau dann, wenn sie bereit ist.
Ich stelle mir manchmal vor, dass diese Telefonnummer erst einmal irgendwo auf der Küchenablage liegt. Zwischen Einkaufszetteln, Arztbriefen und gemalten Kinderbildern. Vielleicht wird sie tagelang nicht beachtet. Vielleicht verschwindet sie in einer Schublade. Und trotzdem ist sie da.
Mit ihr wächst oft ein kleiner Gedanke:
„Wenn ich es allein nicht mehr schaffe, weiß ich, an wen ich mich wenden kann.“
Ich glaube, genau dieser Gedanke kann unglaublich entlastend sein. Denn plötzlich muss eine Mama nicht mehr alles allein tragen. Auch wenn sie noch gar nicht zum Telefon greift, weiß sie, dass Unterstützung erreichbar wäre.
Deshalb bin ich jeder Hebamme, jeder Familienhebamme, jedem Kinderarzt, jeder Kinderkrankenschwester und allen anderen Fachkräften von Herzen dankbar, die meinen Kontakt weitergeben. Nicht, weil daraus immer ein Einsatz entsteht. Sondern weil sie Familien zeigen: Ihr müsst euren Weg nicht allein gehen.
Und vielleicht meldet sich diese Mama nie. Vielleicht, weil sie ihren Weg wiedergefunden hat. Vielleicht aber auch erst in ein paar Wochen oder Monaten. Beides ist für mich vollkommen in Ordnung.
Denn manchmal beginnt Unterstützung nicht mit einem Anruf.
Manchmal beginnt sie mit dem beruhigenden Gefühl, dass jemand da wäre, wenn man ihn braucht.
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